Klassikertreffen war gestern, jetzt kommen die Roboter
24 Stunden trennten zwei Welten. Am Samstag rollten in der Alten Opel-Schmiede M1 in Rüsselsheim 450 historische Fahrzeuge vor. Am Sonntag zeigte Stellantis Pro One in Hannover ein Fahrzeug ohne Fahrer, ohne Lenkrad, ohne Vergangenheit. Zwischen beiden Terminen liegt mehr als ein Tag. Es liegt ein Epochenwechsel dazwischen.
Ein Fest für die Kurbelwelle
5.500 Besucher kamen am 13. September in die 1937 erbaute und 2021 stillgelegte Gesenkschmiede M1. Sie sahen Oldtimer, hörten Verbrennermotoren und feierten das, was Rüsselsheim einst groß gemacht hat. Kurbelwellen kehrten symbolisch an ihren Entstehungsort zurück. Die Alt-Opel-IG und ihre Gäste erlebten 125 Jahre Automobilbau zum Anfassen.
Das Treffen war Nostalgie in Reinform. Kein Algorithmus, kein Sensor, kein Fahrassistent. Nur Blech, Öl und der Klang eines V8.
Ein Konzeptfahrzeug ohne Lenkrad
Nur einen Tag später, am 14. September, präsentierte Stellantis Pro One auf der IAA Transportation in Hannover das autonome Konzeptfahrzeug „Box-on-Wheels". Partner ist der chinesische Robotik-Spezialist UQI Robotics aus Wuxi, ein Joint Venture von UBTECH Robotics und Miracle Automation, gegründet 2020.
UQI Robotics bringt beeindruckende Zahlen mit: über 7.000 aktive Roboter in 66 Städten weltweit, ein kumulierter Auftragswert von mehr als 260 Millionen Euro. Das Unternehmen baut fahrerlose Transportsysteme der Baureihe „Wali", autonome Lieferfahrzeuge der Baureihe „Chitu" und humanoide Roboter für Be- und Entladung. Das Ziel: ein durchgängiges Logistiksystem vom Hochregal bis zur Haustür, komplett ohne menschliche Hand.
Bei „Box-on-Wheels" teilen sich die Partner die Aufgaben klar. UQI Robotics liefert die Wahrnehmungssoftware, die Sensorik und die autonomen Fahrfunktionen. Stellantis Pro One passt das System an europäische Zulassungsstandards an und bringt sein Servicenetz mit 21.000 Stützpunkten ein. Die Kooperation ist Teil der Stellantis-Strategie „FaSTLAne 2030".
Eric Laforge, Global Senior Vice President von Stellantis Pro One, beschreibt das Fahrzeug nicht mehr als Transportmittel, sondern als integrierte Logistikplattform. Li Bei, Vorsitzender und CEO von UQI Robotics, spricht von einem Meilenstein auf dem Weg zu einem vollautonomen End-to-End-Logistiksystem.
Zwei Tage, zwei Welten
| Merkmal | Klassikertreffen (13.09.) | Box-on-Wheels (14.09.) |
|---|---|---|
| Ort | Alte Opel-Schmiede M1, Baujahr 1937 | IAA Transportation Hannover |
| Technik | Kurbelwelle, Vergaser, V8-Motor | Lidar, Kamera, KI-Algorithmus |
| Menschen | Oldtimer-Besitzer, Nostalgie-Besucher | Software-Ingenieure, Flottenmanager |
| Funktion | Kulturgut, Denkmal | Fahrerlose Frachtplattform |
Vom Blech zur Software
Die Gesenkschmiede M1 stand einst für mechanische Präzision. Das prägt Rüsselsheim bis heute, und die emotionale Bindung an diese Geschichte ist echt. Gleichzeitig verschiebt sich die Wertschöpfung der Branche unumkehrbar in Richtung Software, Sensorik und Flottensteuerung. Logistikketten werden zunehmend von mobilen Robotersystemen übernommen, und europäische Hersteller sichern sich Tempo durch Allianzen mit spezialisierten chinesischen Tech-Unternehmen wie Leapmotor und UQI Robotics.
Die Kurbelwelle kehrte am Samstag heim. Der Roboter zieht am Sonntag schon weiter.